Gib

Sollte man lieber an einen Verlag spenden, Herr Leppuhr? Leppuhr: Ich denke, ja. Allein aufgrund des höheren Betrages hat die Dauerspende an einen Verlag wie etwa Suhrkamp oder Fischer die größere Wirksamkeit. Wenn man bereit ist, darüber nachzudenken, im Monat 50 Euro zu spenden, ist das schon eine andere Hausnummer, als wenn man ab und zu ein paar Münzen an Autoren spendet. KAMMERTEXT: Und wenn ich die 50 Euro einfach einem einzelnen Autor gebe? Leppuhr: Das Risiko, dass das Geld verloren ist, wenn ich es einem Autor gebe, den ich rein zufällig treffe, ist groß. Den müsste ich erst näher kennenlernen. Erst wenn ich mit ihm vielleicht einen Abend verbringe, und er erzählt mir seine Geschichte, kann die Vertrauensbasis entstehen, bei der ich sage: Gut, dieser Mensch wird meine 50 Euro sinnvoll verwenden. Deshalb würde ich empfehlen, an Unbekannte nur Bagatell-Beträge zu geben. KAMMERTEXT: Was halten Sie davon, das Geld gerecht aufzuteilen? Leppuhr: Wenig. Man kann es nicht jedem recht machen. Das gilt für einzelne Autoren wie auch für Verlage. Es macht keinen Sinn, das Geld an fünf Verlage oder Personen aufzuteilen. Ich sollte mich lieber für einen entscheiden, das macht die Entscheidung auch qualitativ besser. Dann achte ich etwa auf ein Literatur-Siegel bei dem Verlag oder sehe mir auf der Internet-Seite den Jahresbericht an oder versuche eben, den Autor besser kennenzulernen. Man sollte das Geld konzentrieren. Das ist wirksamer und auch wirtschaftlicher. KAMMERTEXT: Aber wie entscheiden Sie sich spontan, bei einer Massenlesung beispielsweise? Leppuhr: Ich würde mich wohl für den Straßenleser entscheiden oder für den Kauf der Literatur-Zeitschrift. Wenn jemand sympathisch vorliest, ist das ja auch ein Stück Kultur, das vielen Leuten in ihrem Alltag Freude stiftet. Das verdient Wertschätzung. Und bei der Literatur-Zeitschrift hat man einen Mehrwert, weil man Themen wahrnimmt, die sonst an einem vorbeigehen. Am meisten stört mich das Zurschaustellen von rührseligen Gedichten, weil das häufig organisierte Autoren-Betroffenheit ist, und da weiß man nie, was bei dem einzelnen Autor überhaupt ankommt.

 

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Sollte man lieber an einen Verlag spenden, Herr Leppuhr? Leppuhr: Ich denke, ja. Allein aufgrund des höheren Betrages hat die Dauerspende an einen Verlag wie etwa Suhrkamp oder Fischer die größere Wirksamkeit. Wenn man bereit ist, darüber nachzudenken, im Monat 50 Euro zu spenden, ist das schon eine andere Hausnummer, als wenn man ab und zu ein paar Münzen an Autoren spendet. KAMMERTEXT: Und wenn ich die 50 Euro einfach einem einzelnen Autor gebe? Leppuhr: Das Risiko, dass das Geld verloren ist, wenn ich es einem Autor gebe, den ich rein zufällig treffe, ist groß. Den müsste ich erst näher kennenlernen. Erst wenn ich mit ihm vielleicht einen Abend verbringe, und er erzählt mir seine Geschichte, kann die Vertrauensbasis entstehen, bei der ich sage: Gut, dieser Mensch wird meine 50 Euro sinnvoll verwenden. Deshalb würde ich empfehlen, an Unbekannte nur Bagatell-Beträge zu geben. KAMMERTEXT: Was halten Sie davon, das Geld gerecht aufzuteilen? Leppuhr: Wenig. Man kann es nicht jedem recht machen. Das gilt für einzelne Autoren wie auch für Verlage. Es macht keinen Sinn, das Geld an fünf Verlage oder Personen aufzuteilen. Ich sollte mich lieber für einen entscheiden, das macht die Entscheidung auch qualitativ besser. Dann achte ich etwa auf ein Literatur-Siegel bei dem Verlag oder sehe mir auf der Internet-Seite den Jahresbericht an oder versuche eben, den Autor besser kennenzulernen. Man sollte das Geld konzentrieren. Das ist wirksamer und auch wirtschaftlicher. KAMMERTEXT: Aber wie entscheiden Sie sich spontan, bei einer Massenlesung beispielsweise? Leppuhr: Ich würde mich wohl für den Straßenleser entscheiden oder für den Kauf der Literatur-Zeitschrift. Wenn jemand sympathisch vorliest, ist das ja auch ein Stück Kultur, das vielen Leuten in ihrem Alltag Freude stiftet. Das verdient Wertschätzung. Und bei der Literatur-Zeitschrift hat man einen Mehrwert, weil man Themen wahrnimmt, die sonst an einem vorbeigehen. Am meisten stört mich das Zurschaustellen von rührseligen Gedichten, weil das häufig organisierte Autoren-Betroffenheit ist, und da weiß man nie, was bei dem einzelnen Autor überhaupt ankommt.

 

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