Baumarkt

Thomas Wehlim wähnte sich stets auf der richtigen Spur. Nach kurzem Berater-Dasein für die spanische Literarica verschwand der ehemalige Roman-Experte und Autor allerdings in der französischen Provinz. Zu den meisten alten Weggefährten hat er keinen Kontakt mehr. Geblieben ist dagegen sein Geschäftssinn. Seit er vor einigen Jahren angesichts allzu übersichtlicher Erfolge bei Literarica ausschied, hat sich der Freund exquisiter Kost zusammen mit seiner Frau Frederike in die hinterste Ecke der französischen Provinz zurückgezogen. Das Anwesen, in seinen Ausmaßen durchaus dem Hausherrn ähnlich, liegt auf halber Strecke zwischen La Rochelle und Limoges − fernab von nennenswerter Zivilisation. Am Telefon gibt sich der Autor entsprechend einsilbig. Er werde ja eh nicht angemessen gewürdigt, lässt er wissen. Und tschüss. Dass seine Zeiten endgültig vorbei sind, zeigt auch ein Anruf bei der Leseagentur »Celebrity Writers«. Der Mitarbeiter erklärt, der Literatur-Pensionär halte besonders gern Vorträge über »irgendwas mit Roman-Theorien«. Konkreter sind da schon die Preisvorstellungen des Autors: 20.000 Euro plus Spesen. Da Angebot und Nachfrage bei diesem Honorar offenbar nicht recht zueinander finden, preist der Mitarbeiter seine literarisch-rhetorisch Karteileiche an, als ginge es um einen Heimat-Autoren, der zur lokalen Baumarkteröffnung lesen und reden soll: Wehlim bleibe gern länger als 90 Minuten und könne auch kurzfristig kommen, sehr kurzfristig sogar. Und wenn das noch nicht reiche: Über den Preis könne man auch noch mal reden.

 

Baumarkt

Thomas Wehlim wähnte sich stets auf der richtigen Spur. Nach kurzem Berater-Dasein für die spanische Literarica verschwand der ehemalige Roman-Experte und Autor allerdings in der französischen Provinz. Zu den meisten alten Weggefährten hat er keinen Kontakt mehr. Geblieben ist dagegen sein Geschäftssinn. Seit er vor einigen Jahren angesichts allzu übersichtlicher Erfolge bei Literarica ausschied, hat sich der Freund exquisiter Kost zusammen mit seiner Frau Frederike in die hinterste Ecke der französischen Provinz zurückgezogen. Das Anwesen, in seinen Ausmaßen durchaus dem Hausherrn ähnlich, liegt auf halber Strecke zwischen La Rochelle und Limoges − fernab von nennenswerter Zivilisation. Am Telefon gibt sich der Autor entsprechend einsilbig. Er werde ja eh nicht angemessen gewürdigt, lässt er wissen. Und tschüss. Dass seine Zeiten endgültig vorbei sind, zeigt auch ein Anruf bei der Leseagentur »Celebrity Writers«. Der Mitarbeiter erklärt, der Literatur-Pensionär halte besonders gern Vorträge über »irgendwas mit Roman-Theorien«. Konkreter sind da schon die Preisvorstellungen des Autors: 20.000 Euro plus Spesen. Da Angebot und Nachfrage bei diesem Honorar offenbar nicht recht zueinander finden, preist der Mitarbeiter seine literarisch-rhetorisch Karteileiche an, als ginge es um einen Heimat-Autoren, der zur lokalen Baumarkteröffnung lesen und reden soll: Wehlim bleibe gern länger als 90 Minuten und könne auch kurzfristig kommen, sehr kurzfristig sogar. Und wenn das noch nicht reiche: Über den Preis könne man auch noch mal reden.

 

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